Der Pferde-Zirkel
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Damit‘s ein Paradepferd wird :) Laktation … die erste bedarfsgereche Fütterung

 

Quelle Dr. Susanne Weyrauch

 

Ausreichend und gute Milch fürs Fohlen

 

Wenn ein Fohlen die Welt erblickt, öffnet sich für jeden Stutenbesitzer eine ganz neue Welt. So viel Liebreiz, so viel süße geballte Energie. Sobald das Fohlen auf eigenen Beinchen stehen kann, will es bei seiner Mutter saugen. Es sucht nach der gehaltvollen, nährstoffreichen Muttermilch, die für die ersten Wochen die einzige Nährstoffzufuhr für das Fohlen ist. Ein Mangel an ausreichend Muttermilch kommt einer Katastrophe gleich.

 

Die Erstmilch, das Kolostrum ist besonders wichtig für das Fohlen. Nicht alleine wegen der immunstärkenden Gamma-Globuline, sondern aufgrund der im perfekten Verhältnis stehenden reichlich enthaltenen Spurenelemente. So ist der Gehalt an Zink, Kupfer, etc. im Kolostrum um ein Vielfaches höher als in der Muttermilch und dient dem Fohlen als eine Art Starthilfe. Der Spurenelementgehalt der Muttermilch pro Liter sinkt nach kurzer Zeit sehr rasch ab. - Dafür ist die Stutenmilch extrem zuckerhaltig (Laktose). Mit den Laktationsmonaten sinkt der Protein-, Fett- und Energiegehalt, während der Laktosegehalt prozentual ansteigt.

                                                                                                                               Foto ... Marianne Schwöbel 

 

Problematisch: ein Mangel an Futterenergie in der Laktation

 

 

Wird der Energiebedarf der laktierenden Stute nicht ausreichend gedeckt, wird sie im Allgemeinen an die eigenen körpereignen Energiereserven gehen. Dabei werden Fettdepots mobilisiert. Die dabei freigesetzten Fettsäuren werden nur unvollständig abgebaut und es kommt zur Bildung von Ketonkörpern, speziellen Abbauprodukten, die eine übersäuernde Wirkung auf den Körper haben und sogar in der Milch nachzuweisen sind.

 

 

Mangel an Spurenelementen

 

Natürlich ist zuerst an eine optimale Energie- und Eiweißzufuhr bei der laktierenden Stute zu denken. Nicht weniger wichtig ist allerdings langfristig auch die Mineralstoffversorgung. Literaturrecherchen offenbaren uns, dass ein Mangel an Spurenelementen den Milchfluss versiegen läßt. Die Menge an Spurenelementen, die der Stute gefüttert wird, geht in ganz bestimmten, dem Autor bekannten, Verhältnissen in die Muttermilch über.

 

 

Mengenelementbedarf verdoppelt sich

 

Der Mineralstoffbedarf bezüglich der Mengenelemente Calcium, Phosphor und Magnesium verdoppelt sich in der Hochlaktation. Für die Mineralstoffversorgung empfiehlt sich im Allgemeinen ein gutes Mineralfutter. Oft ist jedoch auch bei guten Mineralfuttern der Bedarf und die Bioverfügbarkeit an Spurenelementen nicht ausreichend gedeckt. Der tägliche Bedarf an Zink der hochlaktierenden Stute beträgt im Minimum 600mg, der Bedarf an Kupfer 135mg, der Bedarf an Selen 2mg. Da die  Grundfuttermittel entsprechende Spurenelementgehalte nicht mehr annähernd aufweisen, ist eine Substitution mit Spurenelementen notwendig, wenn der Nährstoffstatus der Stute langfristig erhalten bleiben soll. Wer den Spurenelementbedarf über die Trockensubstanzaufnahme berechnet, wird mindestens zu diesem Ergebnis kommen müssen.

 

 

 

Nährstoffmängel mit fatalen Folgen

 

Leider ist es in der Pferdezucht üblich, über die Berechnung von Energie, Eiweiß, Calcium oder Phosphor bei der Rationsberechnung Zink, Kupfer, Selen und Mangan auszulassen. Das hat meist zur Folge, dass sehr lange auf die Reserven der Stute zurückgegriffen wird. Sinkende Spurenelementgehalte im Heu, entmanganisiertes Wasser, gekalkte Böden mit hohen pH-Wert und belastetes Grundfutter führen dann zu eine folgereichen Veränderung und zum Teil fatalen Folgen in der Entwicklung, welche sich für den Züchter oder Besitzer aber häufig nicht im dirkten Zusammenhang zu erkennen geben ... Entwicklungsstörungen, Fehlstellungen, stumpfes Fell ...

Ausprägung der Gene durch Fütterung

 

Epigenetische Forschungen haben hinreichend bewiesen, dass die Fütterung bereits im Mutterleib zu entsprechender späterer phänotypischer Ausprägung der vorhandenen Gene führt und somit nicht nur die Genetik, sondern unter anderem auch die Fütterung letztendlich die Qualität eines Pferdes entscheidet. Ein guter Futterzustand heißt also nicht, dass die Stute rund oder sogar  dicklich ist, sondern dass sie bereits lange vor der Bedeckung bedarfsgerecht gefüttert worden ist. War die Stute zuvor im Sport aktiv, hatte sie bereits ein Fohlen oder führt sie ein Fohlen bei Fuß, ist die Fütterung noch bedeutungsvoller. Nährstoffmängel, die durch Stress, Sport und Zucht entstanden sind, sollten bereits vor der Bedeckung ausgeglichen worden sein. Dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Fohlen gesund und ohne Nährstoffmängel, die unter anderem zu Entwicklungsstörungen des Bewegungsapparates führen, das Licht der Welt erblickt.

Die Milch – Spiegel der Ernährung

 

Die Nährstoffsituation des Pferdes spiegelt sich in der Milchquantität- und qualität wieder. Hochwertige Stoffe gelangen ebenso, wie durch Fütterung aufgenommene Schadstoffe über die Milch an den Nachwuchs. Interessant ist, dass es deutliche Unterschiede beim Übergang von Nährstoffen in die Muttermilch gibt. Bei den Vitaminen werden bei ausreichender Fütterung Vitamin B2, B6, B12 und die Folsäure in die Milch weitergegeben. Diese B-Vitamine stärken die Nervenkraft und die Hautgesundheit des Fohlens. Einen Einfluss der Fütterung von Vitamin C auf die Milch konnte im Gegensatz dazu nicht bewiesen werden. Auch die Spurenelemente gehen unterschiedlich in die Muttermilch über. Bereits in den 70-iger Jahren wurden Tierversuche an verschiedenen Spezies gemacht, die zeigten, dass eine Nährstoffzufuhr mit Zink, Selen und Jod den selbigen Gehalt in der Milch erhöht. Kupfer und Mangan können durch die Fütterung bis zu einem bestimmten Grad in der Milch 

 

gesteigert werden, um so dem Fohlen zum Beispiel für einen besseren Gelenksaufbau zur Verfügung zu stehen, nur der Eisengehalt der Milch kann nicht verändert werden.

 

Damit eröffnet sich eine große Chance, das Fohlen über die Muttermilch optimal zu ernähren. Allerdings obliegt die Mineralienzufuhr bei der laktierenden Stute einer genauen Kenntnis des späteren Übergangs in die Milch.  Im Gegensatz zu den B- Vitaminen können der Stute nicht wahllos Zink oder Selen gefüttert werden, da dadurch die Gefahr besteht, dass das Fohlen zu rasch wächst und ein mangelnder Kupfer- und Manganausgleich zu deformierten Knochen oder Chipsbildung in den Gelenken führt. - Ein ausreichend hoher Spurenelementgehalt der Stute bereits vor der Nierderkunft ist demnach die beste Voraussetzung für ein gesundes Fohlen.

 

Quelle 

Dr. Susanne Weyrauch

www.dr-susanne-weyrauch.de