Der Pferde-Zirkel
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Der optimale Reitboden - elastisch und belastbar -   

 

                 ... damit die Pferdebeine gesund bleiben

 

 

Nach jeder Winterpause beginnt aufgrund nicht bereitbarer Plätze die Diskussion um den Reitplatzbau. Viele Plätze haben in diesem Winter wieder gezeigt, dass sie nach kurzer Zeit unreitbar sind. Sommerreitplätze sind eben leichter zu erstellen als Ganzjahresplätze. Alte Weisheiten und neue Erkenntnisse aus der Materialkunde sind die Leitlinien für das Anlegen eines Reitplatzes.

 

 

Um Pferd und Reiter gerecht zu werden, ist der Reitplatz von elementarer Bedeutung. Für die Motivation zum Halten eines Reitpferdes steht meist immer noch das Reiten im Vordergrund, und dieses soll das ganze Jahr und vor allem bei jedem Wetter möglich sein.

All-Wetter-Reitplatz

Es ist eine Kunst, einen Allwetter-Reitplatz zu erstellen. Diese Kunst

sollte man daher auch am besten Fachfirmen überlassen. - Früher wie heute versuchen Reit- und Pensions-betriebe häufig erst einen provisor-ischen Platz zu errichten, indem sie

meist mit eigener Großtechnik eine Fläche plan schieben und eingrenzen.


Meist wird dann auch ein Belag als Tretschicht aufgebracht, der aus günstiger Quelle stammt aber nicht

die Anforderung der Nutzung erfüllt. Diese Plätze erweisen sich nach einigen Regenfällen sehr schnell als Badewanne. Manche stehen auch erst nach einem Jahr unter Wasser, wenn der Übergang von der Tretschicht zum Unterbau verdichtet ist. - Bei längerer trockenen Wetterphase wird der Boden nicht selten hart und unelastisch.


Guter Reitboden - Gesunde Pferdebeine


Die Eigenschaften des Reitplatzes haben einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit der Pferdebeine. Tritt ein Pferd auf harten Boden auf, wird die Bewegung der Gliedmasse abrupt gestoppt,

was zu einer übermässigen Erschütterung führt. Wiederkehrende Erschütterungen der Pferdebeine

können mit der Zeit zu Schäden des Bewegungsapparates führen. Harter Boden geht somit mit Knochen-, Gelenks-, Knorpel- und Hufläsionen und insbesondere wegen der dabei häufig höheren Geschwindigkeit

des Tieres mit den gefürchteten Sehnenschäden einher.

Ein weicher Boden erlaubt hingegen ein Nachgeben unter dem Pferdegewicht und somit eine gewisse Stossdämpfung. Auf tiefem Boden besteht jedoch die Gefahr schneller Überanspruchung und Ermüdung

der Muskulatur, welche in nächster Konsequenz den Sehnenapparat belasten kann.

Die Wahl des Materials für den Reitplatzboden, der Wassergehalt des Reitplatzes, dessen Pflege und  Nutzungshäufigkeit, das Alter des Bodenbelages und die Grösse des Reitplatzes sind alles Faktoren,

welche die Gesundheit der Pferdebeine beeinflussen können. Ein idealer Boden sollte elastisch und

doch scherfest sein. Die meisten ­Reitplatzbeläge bestehen heutzutage aus Sand. Die Eigenschaften des Geläufs sind dabei vom Durch­messer der Sandkörner ­abhängig. Dieser beeinflusst die Bodendichte, die Wasserretention und die Staubbelastung. Grobkörniger Sand gibt wenig Stabilität, da seine Scher-

fes­tigkeit gering ist.

Kleinere Sandkörner hingegen geben dem Pferdebein mehr Stabilität und verhindern ein starkes

Weggleiten des Hufes. Ebenso hat ein trockener Sandboden eine geringere Scherfestigkeit, da die

einzelnen Sandkörner sich leicht gegeneinander bewegen und so unter dem Gewicht des Hufes

nachgeben. -  Die regelmässige Bewässerung des Reitplatzes bindet nicht nur den Staub, sondern

erhöht auch die Haftung der einzelnen Sandkörner untereinander und somit auch die Stabilität und die Scherfestigkeit des Platzes.

Ein reiner Sandplatz hat eine geringe Elastizität, weshalb häufig Zusatzstoffe wie zum Beispiel

Vlieshäcksel beigemengt wird. Die regelmässige Pflege des Reitplatzes ist somit essenziell, da dadurch

eine gleichmässige und gute Tretschicht erhalten bleibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wird ein Reitplatz sehr häufig genutzt, leidet die Qualität des Bodens, da durch den erhöhten Verschleiss

die Elastizität reduziert wird. Deshalb muss ein vielbeanspruchter Boden häufiger bearbeitet werden. Auch die Grösse des Reitplatzes hat einen Einfluss auf die Belastung der Pferdebeine – je grösser die genutzte Fläche, des­to besser. Ein kleinerer Platz bedeutet, dass ein Pferd vermehrt gewendet und die Hand häufiger gewechselt werden muss, womit eine Überbelastung pro Flächeneinheit entsteht.

 

 

Mehrschichten-Aufbau

Im Normalfall kommt man nicht darum herum, einen Mehrschichtenaufbau zu wählen. Bei einem Allwetterplatz gilt als vorrangig, dass Niederschlag, sprich Regen sofort aus der Tretschicht abgeleitet wird. Eine oberflächliche Ableitung kann nur eine Zusatzlösung sein, da zu viel Tretmaterial mit abgeschwemmt werden könnte. Dennoch strebt man ein Oberflächengefälle von 1 bis 2 Prozent an.

Ein Reitplatz wird von unten nach oben aufgebaut. Dabei steht nicht unbedingt der Bodenaufbau als Maß im Vordergrund, sondern die Funktionalität angepasst an die vorhandenen Gegebenheiten. Der klassische Aufbau besteht aus Tretschicht, Trennschicht, Tragschicht und Untergrund. Auf einen gewachsenen Boden, der am besten ein Gefälle von 1 Prozent über die ganze Länge oder bei einer Dachstruktur von 2 Prozent zu jeder Seite aufweist, wird eine wasserdurchlässige Tragschicht aufgebracht.

Ist der Unterboden in der Lage Wasser aufzunehmen oder abzuleiten, kann auf eine Tragschicht sogar verzichtet werden. Dann hätte man den Zweischichtplatz. Die Wasserableitung kann durch eine Drainage in der Tragschicht oder im Unterboden beschleunigt werden, wobei aber unbedingt eine wasserdurchlässige Trennschicht über der Drainage angelegt werden muss. Viele Drainagen ziehen kein Wasser aus der Tretschicht, weil sie entweder zu viel oder zu wenig Gefälle haben, versanden oder Verdichtungen zwischen den Drainagesträngen einen Zufluss verhindern.

Die Tragschicht besteht i.d.R. aus Bauschutt oder sich verkeilendem Geröll und soll 15 bis 30 cm dick sein, Wassermengen aufnehmen können und Belastungsdruck aushalten beziehungsweise Scherkräfte kompensieren können. - Sie soll nach oben hin gut angerüttelt, beziehungsweise gebrochen und plan sein, damit eine an allen Stellen aufliegende gleich dünne Trennschicht aufgebracht werden kann.

Die Trennschicht kann aus unterschiedlichen Materialien wie Gestein, Gesteinsbruch, Asphalt, Betonrecycling, Vliese, Matten oder Kunststoffwabengitter sein. Die von der Schicht geforderten Eigenschaften sind Wasserdurchlässigkeit, Trennung zwischen Tret- undTragschicht, Belastungsstabilität und im besonderen wiederum Scherfestigkeit.

Den Abschluss bildet die Tretschicht. Die Wahl des Tretschichtmaterials wird sehr stark von der Art und der Intensität der Nutzung bestimmt.
Sie ist „lebendig“, da die Materialien während der Beanspruchung gegeneinander wandern und unterschiedliche Quelleigenschaften und Wasserbindevermögen aufweisen. Kunststoffwabengitter werden häufig mit Vulkangestein gefüllt und mit Sand und Zuschlagstoff abgedeckt. Sehr verbreitet ist die Kombination aus Sand und Holzhackschnitzel. Der Sand sorgt für die Tragkraftaufnahme und die Wasserdurchlässigkeit, das Holz belebt den Boden. Zu weiches Holz zerreibt und verrottet aber schnell und kann nur noch entsorgt werden. - Sind gar Rindenteile am Holz, können die organischen, ligninhaltigen Reste sehr schnell zu Ablagerung und Verdichtung führen. Daher hat Frischholzschredder, wie Knickschredder und Rindenmulch nichts auf einem Reitplatz zu suchen.

Andere Zuschlagstoffe können auch aus Kunststoff, Gummi oder Textilmaterialien gewonnen werden. Den Vorteilen der ausgeschlossenen Rotte steht ein eventuell problematischer Reinigungsaufwand gegenüber. Die Herkunft der Stoffe und ihre Zusammensetzung muss allerdings bekannt sein und der Nachweis vorliegen, dass diese Stoffe bei UV-Licht, Sonne, Regen, Pferdedung keine Umweltgifte abgeben und auch problemlos zu entsorgen sein werden.

Auf allen Reitplätzen ist der Außenhufschlag am meisten genutzt. Belastungskräfte wirken daher sehr stark auf die Außenumrandung und können sie auf Dauer verschieben, wodurch die Schichten verletzt werden. Wird der Platz nach oben herausgebaut, sollten die Tragschicht und die Trennschicht über das Platzmaß hinaus aufgebracht sein, damit die Belastungskräfte vom Boden und nicht von der Umrandung aufgefangen werden können. .


Fazit

Der Reitplatzbau ist schwieriger als man es sich vorstellt, wenn der Platz eine dauerhafte Einrichtung sein soll, die dem Einsteller Freude bereitet. Bereits vor der Planung sollte man sich Rat einholen, denn schon die richtige Wahl des Standortes kann Probleme verhindern.


Quelle: Jüren Lamp (LWK-SH) / Dr.med.vet. Dominik Burger