Der Pferde-Zirkel
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Die klassische Reitlehre in kontroverser Diskussion

 

Völlig überflüssig ... ist aus Sicht von Ralf Döringshoff (Pferdewirtschaftsmeister / Trainer Leisungssport) die Diskussion um die Aktualität der klassischen Reitlehre.

 

Die klassische Reitlehre hat zum Ziel, aus dem Pferd einen Sportler zu machen, ohne die Gesundheit des Tieres dabei zu opfern. Die klassische Reitlehre berücksichtigt dabei nicht nur das Pferd als Lebewesen sondern auch die Tatsache, dass der Pferdekörper auf Grund seines Aufbaus und seiner Konstruktion vielen Gesetzmäßigkeiten unterliegt (funktionelle Anatomie).

 

 

Was wir heute als Hochleistung der Pferde bezeichnen, wurde nach dem System der klasischen Reitlehre schon vor vielen 100 Jahren erarbeitet und erritten. Mit, im Vergleich zu heute, vielleicht weniger gut gebauten und talentierten Pferden. Die Zucht hat die Pferde sicherlich zugunsten ihrer Eignung für die einzelnen Reitsport-disziplinen verbessert, eines hat die Sportpferdezucht aber bis heute nicht berühren können: Das Pferd ist nach wie vor ein empfindsames Lebewesen, dessen Anatomie funktionellen Gesetzen unterliegt.

 

Auffallend ist, das die klassische Reitlehre vor allem dort kritisiert wird, wo sie nicht richtig angewendet wird und einzelne Punkte der Inhalte leichtfertig vernachlässigt werden. - Wenn ich mir einen Schrank kaufe, und ihn nicht entsprechend der Bauanleitung zusammenbaue, dann ist es keine große Überraschung, wenn der Schrank nicht wie gewünscht aussieht und funktioniert. Aber ist dann die Bauanleitung falsch?

 

Zur klassischen Reitlehre gehören die ethischen Grundsätze und der korrekte Sitz des Reiters genauso wie die einzelnen Punkte der so genannten Ausbildungsskala (Takt • Losgelassenheit • Anlehnung • Schwung • Geraderichtung • Versammlung). Wie viel davon bei der täglichen Arbeit mit dem Pferd Beachtung findet, darüber kann man spekulieren oder sich objektiv in der Branche umschauen.


 

Fakt ist, dass sich in den letzten 30 Jahren zwei Dinge in der Pferdebranche entwickelt haben:

 

Zum einen wurden immer mehr Menschen Pferdebesitzer und Reiter, die nicht mit Pferden groß geworden sind, so wie die vergangenen Generationen, die noch mit Pferden auf dem Feld gearbeitet haben. Heute ist der Pferdesport hauptsächlich in der Hand von wirtschaftlich erfolgreichen Menschen. Wirtschaftlich erfolgreich ist man, wenn man in kurzer Zeit mit geringem Aufwand ein Produkt erstellt.

 

Genau unter dieser Mentalität haben viele Pferde zu leiden, die Ausbildung des Pferdes wird so oft zur Selektion. Die Spitzenleistung eines Einzelnen wird zur Messlatte für alle anderen. So wird  vernachlässigt, das Talent nicht die Tatsache ersetzt, dass ein Lebewesen, sein Körper, den Anforderungen gewachsen sein muss.

 

Welche Leistungen müssen 2 1/2jährige Hengste auf der Körung zeigen, was wird hoch bewertet auf den Bundeschampionaten der jungen Reitpferde? Maximalbelastung des Körpers und einzelner Strukturen, die nach der Idee der klassische Reitlehre viele Jahre Training erfordern.



Die zweite bedeutende Entwicklung der letzten 30 Jahre:

 

Der immer noch wachsende Bedarf an therapeutischen Maßnahmen. Wie viele Rehazentren für Sportpferde gab es vor 30 Jahren, wie viele sind es heute?  Die Zunahme der Ausbildungsstätten für manuelle Therapie und die konstant hohe Zahl ihrer Absolventen macht den Bedarf genauso deutlich wie die Intensität, mit der sich die veterinärmedizinische Forschung den Regenerationsmöglichkeiten von Überforderungen des Pferdekörpers widmet. - Zwei Fakten, die mit Sicherheit nicht ohne Zusammenhang sind.

 

Was können therapeutische Maßnahmen, was will man damit erreichen?

 

Egal, ob physikalische Maßnahmen wie Solarium, Magnetfelddecke, CIR-System, Laserdusche, etc. oder manuelle Arbeit am Pferd wie Physiotherapie und Osteopathie.  - Was man auch anwendet, das Pferd soll sich entspannen, soll locker werden. Synonyme für Losgelassenheit, die im Zuge der zu schnellen und zu hohen Leistungsforderung natürlich leidet. Die positiven Effekte der Losgelassenheit müssen dann via therapeutischer Maßnahmen ins Pferd gebracht werden. Natürlich sind die therapeutischen Maßnahmen und ihre Wirkung auf das Pferd als positiv zu bewerten aber man sollte dabei eines nicht vergessen: Wenn sie nötig werden, dann hat das Pferd schon gelitten!

 

Die ethischen Grundsätze als Teil der klassischen Reitlehre fordern die Verantwortung des Menschen für das Pferd, und wer diese Verantwortung ernst nimmt, der wird sich um das Wohlbefinden des Pferdes, um seine Losgelassenheit bemühen. Darum fordert die klassische Reitlehre eine moderate Leistungssteigerung, den Möglichkeiten des Pferdekörpers angepasst, die auch berücksichtigt, dass das Pferd sich diese Aufgaben des Reitsports nicht selbst ausgesucht hat.

 

Einen Beruf ausüben, den man sich nicht selbst ausgesucht hat, darin Aufgaben lösen, deren Sinn einem sehr verschlossen bleibt, von der Erledigung dieser Aufgaben Schmerz und Beschimpfung ernten, das würde kein Mensch lange hinnehmen. Aber es ist der Alltag vieler Sportpferde.


 

Mein vorherrschender Gedanke bei der täglichen Arbeit mit den Sportpferden:

 

Das Pferd ist der Sportler, der Reiter eher so was wie ein Gymnastiklehrer und später auch Krafttrainer für den Sportler Pferd. Und warum soll das Pferd als Sportler in die Ausbildung und nicht ins Training. Kein Mensch geht bei seiner Sportart zur Ausbildung, sie gehen alle zum Training. Und Training bedeutet allmähliche Leistungssteigerung.

 

Im Vordergrund des Trainings steht die unverbrauchende Leistungssteigerung, die man an den Grundgangarten bemessen kann. Die Grundgangarten werden auch als natürliche Grundgangarten bezeichnet.

 

Warum natürlich? - Weil sie sich in der Natur so entwickelt, durchgesetzt und behauptet haben. Was sich in der Natur durchsetzt: Effizienz! Dies gilt nicht nur für den Energieverbrauch sondern auch für den Verbrauch/Verschleiß der an der Bewegung beteiligten Strukturen.

 

Der natürliche Bewegungsablauf ist also der gesündeste für das Pferd.  - Ganz klar, ein Pferd, das sich durch seine Bewegung selbst kaputt macht, wäre evolutionär lange vor unserer Zeit wieder ausradiert worden. Entscheidend aber ist der Umkehrschluss dieser naturphilosophischen Betrachtung:

 

Je mehr eine Grundgangart von ihrer Natürlichkeit abweicht, umso verbrauchender ist sie für den Pferdekörper. Und ein erhöhter Verbrauch/Verschleiß ist keine Vorraussetzung für Training, sondern für Rehamaßnahmen. Denn ein hoher Verschleiß führt früher oder später zwangsläufig zu Schmerzen. Schmerzen stehen nicht nur der optimalen Leistungsentfaltung im Weg, sie zu verursachen ist tierschutzrelevant!  


 

Regenerieren können ist sicherlich sehr gut, nicht regenerieren müssen aber viel besser. Zumindest aus Sicht der Pferde.

 

Auf der Reitanlage Lichtenberg in 21706 Dornbusch werde ich in Kürze Pferde aufnehmen können um sie unter Berücksichtigung der obigen Erläuterungen vorrangig in der Disziplin Dressur zu arbeiten. Jeder Pferdebesitzer wird über den Trainingsplan in Kenntnis gesetzt, der neben der täglichen Arbeit des Pferdes zu konstanten Tageszeiten auch Weidegang beinhaltet. Weiterhin erhalten die Pferdebesitzer Zugriff auf die Webcam in der Reithalle, so dass sie via Internet, auch unangemeldet, das Training ihres Pferdes verfolgen können. Eventuell nötige manuelle Therapiemaßnahmen gehören zum Trainingsplan und komplettieren das Angebot.

 

Wer sich für die Biomechanik und die funktionelle Anatomie des Pferdes interessiert, dem seien die „ProPferd-Abende“ empfohlen. Im Reiterstübchen der Reitanlage werden in einem jeweils 60-90 min. dauernden Vortrag diese Themen im Zusammenhang mit den Grundsätzen der klassischen Reitlehre erläutert und mit den bewährten Power-Point-Präsentationen veranschaulicht. Fragen und Diskussion von praktischen Erfahrungen der Teilnehmer gestalten den weiteren Verlauf dieser Abende.

 

Die Termine dieser Abende und die Themen werden auf der Homepage www.reitanlagelichtenberg.de veröffentlicht.

 

Direkte Unterstützung bei der Umsetzung einer gesunden Leistungssteigerung ihres Pferdes erhalten interessierte Reiter/innen an geplanten Wochenendlehrgängen. In den Einzelstunden werden Trainingsmethoden individuell für jedes Pferd erarbeitet. Darüber hinaus wird in den Theoriestunden fundiertes Wissen über den Pferdekörper und Anzeichen für Überforderung vermittelt.


 

Für Teilnehmer stehen Gastboxen und ein Ferienhaus zur Verfügung. - Bereits 3-4 Interessenten lassen einen Wochenendlehrgang stattfinden.

 

Informieren Sie sich gerne unverbindlich über den Betrieb und unsere Angebote unter

 

www.reitanlagelichtenberg.de und www.gymnastizieren-statt-dressieren.de