Der Pferde-Zirkel
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Schritt für Schritt  ...  im Viertakt vorwärts

 

 

 

Schritt reiten als Trainingseinheit? - Wozu soll das gut sein?  ...  Schaut man auf den Reitplatz oder in die Reithalle, sieht man eine ganze Menge Reiter, die Schritt als notwendiges Übel zum Aufwärmen ansehen. Ein oder zwei Runden, dabei noch mal eben das Handy an‘s Ohr, dann ist aber auch schon genug geschreitet.



 

Schritt für Schritt wollen wir diese ruhige aber dennoch besonders vielfältige, aussagekräftige und aufbauende Grundgangart des Pferdes in Ihrem Bewußtsein aufwärmen.

 

 

Diagonaler Viertakt

Der Schritt ist eine schreitende Vorwärtsbewegung ohne Schwebephase. Somit ist es auch die ruhigste Gangart,

nicht nur des Tempos wegen sondern vor allem wegen der Fußfolge. Diese beschreibt einen Viertakt und die Hufe bewegen sich diagonaler Reihenfolge.  



Steht das Pferd ausbalanciert, so tritt es mit einem

Hinterbein an: z.B. links hinten, links vorne, rechts hinten, rechts vorne.  Es sind immer zwei oder höchstens drei Beine am Boden, somit gibt es keine Sprungphase und der Reiter wird in eine gleichmäßige schaukelnden Bewegung mitgenommen. Prinzipiell sollte jedes Training mit einer

Viertelstunde Schritt beginnen, so dass sich die Muskeln

und Gelenke aufwärmen und das Pferd gut vorbereitet ins Training starten kann.  Lösendes Reiten im Schritt bedeutet jedoch nicht - hilflos - durch die Halle schlurfen. Auch hier

sind Takt, ggfs. leichte Anlehnung, aktive Hintehand und Losgelassenheit gefragt. Biegung, Stellung und Schenkelgehorsam können jetzt wunderbar abgefragt werden.

 

 

 

Auch zwischen Trab- und Galoppeinheiten sollte man dem Pferd regelmäßig Schritteinheiten zur Entspannung gewähren.

 

 

 

 

Formen des Schritts

Je nach Versammlungsgrad werden vier Schritt-arten mit klarem Viertak unterschieden: Fleißiger Schritt, Mittelschritt, starker Schritt und versammelter Schritt.

Die Basis bildet der fleißig von hinten nach vorne durch den Körper fließende Schritt. Der Bewegungsablauf darf auf keinen Fall durch eine feste Zügelhand blockiert werden. Viele Probleme in Takt, Anlehnung und Balance finden genau hier bereits ihren Ursprung.

Erst nach erfolgter Grundausbildung werden weitere Schrittarten, die auch erst in fortgeschrittenen und höheren Dressuraufgaben gefordert werden, trainiert.

Beim Mittelschritt geht das Pferd ein wenig ausgreifender, die Hinterhufe sollten dabei etwas über der Spur der Vorderhufe auftreten.

Beim starken Schritt müssen die Hinterhufe über der Spur der Vorderhufe auftreten, und zwar deutlich weiter als beim Mittelschritt. Der starke Schritt ist erhabener, aber nicht schneller und die Schrittfrequenz ist nicht eiliger. Durch das dabei verlängerte Zügelmaß wird eine sogenannte Rahmenerweiterung ermöglicht.

 

 

 

Eine der schwierigsten Aufgaben für Pferd und Reiter ist der versammelte Schritt.

Hier werden kurze, erhabene Schritte gefordert, wobei das Pferd stärker aufgerichtet ist. Der Schritt ist dabei weder verlangsamt noch verkürzt, es erfolgt jedoch eine Rahmenverkürzung, denn die Hinterhand nimmt mehr Last auf und entlastet im Gegenzug die Vorderhand.

 

 

Besonderheiten

Die Schrittarten mittlerer, starker und versammelter Schritt gehören neben den entsprechenden Trab- und Galopparten zu den sogenannten Tempi der Dressur. Aber auch bei der Ausbildung des Pferdes sind Tempowechsel und  Übergänge von großer Bedeutung.

Der Spanische Schritt ist eine Übung der klassischen Reitkunst, bei der das Pferd den Ausdruck seines Schritts steigert, indem der Bogen des Vorderhufs durch die Luft besonders hoch und ausgreifend geführt wird. Es entsteht eine gewisse Verzögerung durch diese anmutige Bewegung. Pferde zeigen diesen Bewegungsablauf als natürlichen Teil ihres Imponier- und Übermutverhaltens.

 

 

Der Spanische Schritt gehört zu den Kunstgangarten und hat eine lange Tradition, wird aber vergleichsweise spät literaturkundig.

In das Regelwerk der FEI hat der Spanische Schritt keinen Eingang gefunden und doch hat er, wenn er richtig ausgeführt wird, seine Verdienste und gute Folgen. Viele moderne Interpreten der historischen Reitkunst wie z.B. Bent Branderup, Richard Hinrichs und Philippe Karl sind sich darüber einig, dass ein gut ausgeführter Spanischer Schritt die Vorhand-Hinterhand-Koordination fördert, Blockaden in der Schulterblattrotation behebt und zur Entwicklung der Passage dienlich ist.

 

Diese Übung der klassischen Reitkunst fördert die Schulter-freiheit aber auch die Koordination zwischen Vor- und Hinterhand.

Zudem ist der spanische Schritt hilfreich zur Kräftigung der Hinterhand und zum späteren Training der Passage. Zudem steht die Gangart Schritt im Vordergrund bei der sogenannten Hippotherapie, wobei das Pferd therapeutisches Medium ist.