Der Pferde-Zirkel
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Schwalben ... Glücksboten in Wohnungsnot

 

Jedes Frühjahr warten wir gespannt auf die Rückkehr der Schwalben aus ihren Winterquartieren. Rauch- und Mehlschwalben haben schon seit Jahrhunderten ihren festen Platz als Mitbewohner in unseren Dörfern und Städten. Doch in den vergangenen Jahren zeigt sich ein deutlicher Rückgang der Sommerboten. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, besagt jedenfalls ein Sprichwort. Aber bald könnte es heißen: Ein Sommer macht noch keine Schwalbe. Denn Schwalben sind bedrohte Vögel, die Rauchschwalbe steht mittlerweile auf der Roten Listen der vom Aussterben betroffenen und bedrohten Tiere.

 

 

 

          

 

 

Schwalben fühlen sich in der Nähe von Menschen grundsätzlich sehr wohl. Es gibt rund 80 verschiedene Schwalbenarten, wobei unsere Region in erster Linie von Mehlschwalben, Rauchschwalben, Uferschwalben und Mauerseglern als Brutgebiet genutzt werden. 

 

Ab Ende März bis Mitte Mai kommen die Schalben aus ihren Winterquartieren nach Mitteleuropa zurück. Dabei treffen Rauchschwalben früher bei uns ein als Mehlschwalben. Häufig können wir sie schon Ende März sichten. Den ersten Vorboten folgen nach und nach auch ihre Artgenossen. Ihre Ankunftszeit variiert von Jahr zu Jahr, da der Heimzug auch durch die jeweilige Wetterlage auf dem Zugweg beeinflusst wird. Die Hauptankunftszeit der Mehlschwalben liegt zwischen Mitte April und Mitte Mai. Die Rauchschwalbe findet man vor allem in ländlicher und dörflicher Umgebung. Sie nistet gern in Stallungen und Scheunen, die Mehlschwalbe baut ihre Nester lieber unter Giebeln und in Hausvorsprüngen. 

 

 

Schwalben kehren an ihre alten Niststandorte zurück. Sie sind brutplatztreue Vögel. So haben sie nach ihrer anstrengenden Reise sofort ein bezugsfähiges Nest. Selbst wenn es beschädigt ist, kostet die Ausbesserung des alten Nestes deutlich weniger Kraft und Aufwand, als sich ein Neues zu bauen. Paare leben in der Regel monogam.  Wenn ein Partner den Winter oder den Zugweg nicht überlebt hat, finden sich am Brutplatz meist neue Paare ein. - Ist kein Nest vorhanden, beginnen die Schwalben je nach Witterung ab Mitte April mit dem Bau neuer Nester. Sobald sie fertiggestellt sind, legen die Schwalben-Weibchen ihre Eier. Die Bebrütung dauert zwei oder aber bei schlechten Witterungs-bedingungen bis zu drei Wochen.

 

Die meisten Jungen schlüpfen somit im Juni und werden drei bis vier Wochen von ihren Eltern, den Altvögeln, aufgezogen, bis sie flügge sind. Pro Brut zieht ein Schwalbenpaar drei bis sechs Junge auf. Flügge Mehlschwalben werden noch eine Woche, flügge Rauchschwalben noch zwei Wochen weiter außerhalb des Nestes durch die Altvögel mit Insekten versorgt.

 

 

 

Anfang beziehungsweise Mitte Juli beginnen die Schwalben oft eine Zweitbrut, Rauchschwalben können bei günstiger Witterung sogar dreimal im Jahr brüten. Voraussetzung für mehrere Bruten und viel Schwalbennachwuchs ist, dass die Schwalbeneltern genügend Insekten für sich und ihre Jungen fangen. Pro Jahr werden in einer Schwalbenfamilie rund 250.000 Insekten verfüttert, das ist umgerechnet ca. 1 kg Insekten pro Aufzucht.

 

 

 

Nesttreue Sommergäste sind geschützt

 

Schwalben und Mauersegler stehen unter strengem Schutz, sowohl die Vögel, als auch die Nester und Bruthöhlen. - Jegliche Beeinträchtigung, sei es Tötung, Vernichtung der Nester, aber auch Behinderungen und Störung der Brut wird mit empfindlichen Strafen belegt und ist kein Kavaliersdelikt, sondern unterliegt dem Strafrecht im Bundesnaturschutzgesetz.  Da Schwalben nesttreue Brüter sind, bleiben ihre Nester und Brutstätten auch in der Zeit ihrer Abwesenheit streng geschützt.

 

Schwalben verbringen nur die Hälfte des Jahres bei uns – von Oktober bis März halten Sie sich in ihren Überwinterungsgebieten in Afrika auf. Das Gleiche gilt übrigens für 45 % der in Deutschland vorkommenden Brutvogelarten. Besonders den Insektenfressern bleibt meist gar nichts anderes übrig, als im Winter fortzuziehen, denn bei uns gibt es in der kalten Jahreszeit einfach nicht genug Nahrung. - Schwalben sind Langstreckenzieher, ihre Flugroute beträgt bis zu 10.000 km, das Zielgebiet liegt südlich der Sahara. Diese für uns Menschen fast unvorstellbare Leistung der kleinen Vögel beschäftigt die Forscher schon lange. Durch moderne Methoden wie Beringung, Ausstattung mit Mini-Sendern und Beobachtung über Radarstationen, konnten viele Rätsel aufgeklärt werden. So weiß man inzwischen, dass Singvögel die Wüste nicht im Non-Stopp-Flug überqueren, sondern nachts fliegen, während sie tagsüber möglichst im Schatten rasten. Auf Nahrung und Wasser müssen sie dabei allerdings verzichten. Die Vögel nutzen bei ihrem nächtlichen Zug günstige Winde. Im Herbst ziehen sie unterhalb von1.500 m Höhe und profitieren dabei von den aus Nordost wehenden Passatwinden. Im Frühling steigen die meisten Singvögel über den Bereich der Passatwinde hinaus in Höhen bis über 2.400 m, wo sie aus Südwesten kommende Winde nutzen.

 

 

Wohnungsnot muss nicht sein

 

Vogelarten wie Schwalben, Mauersegler oder Hausrotschwanz, aber auch Fledermäuse sind Kulturfolger, die Städte und Dörfer als Lebensraum erobert haben. Für sie sind Gebäude „Ersatz-Felslandschaften“ mit Ritzen, Spalten und Höhlen. Doch immer mehr dieser „tierischen Untermieter“ verlieren ihre Quartiere im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden. Fassaden und Dachbereiche werden verschlossen sowie Hohlräume gedämmt. Bei Neubauten wird meist fugenlos und frei von Zugängen und Schlupfwinkeln gebaut. 

 

Nicht nur, dass die „Bauplätze“ immer rarer werden, auch die Beschaffung von „Baumaterial“ für die Nester erweist sich auf Grund großer versiegelter Flächen nicht immer einfach.  Neben kleinen Ästen, trockenem Gras oder Stroh brauchen Schwalben auch Lehm. Hier können wir durch das Anlegen von Schlammpfützen oder flachen Lehmwannen gerne angenommene Hilfe leisten.

 

Alternativ können aber künstliche Vogelnester angebracht werden. Mehlschwalben brüten gerne unterhalb eines überstehenden Dachs in einer Höhe von mindestens 4 Metern. Rauchschwalben bevorzugen geschlossene Räume, am liebsten in Stallungen und Scheunen, die jederzeit durch z.B. offene Fenster oder Tore zugänglich sind. Ich selber hatte im Keller jedes Jahr ein Rauchschwalbenpärchen. Das Problem war, dass wir nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit die Kellertür offen lassen konnten. Alternativ flogen sich dann durch eine geöffnete Lüftung mit einem Durchmesser von 8 cm oder wahlweise durch ein „gekipptes Fenster“. Und wenn versehentlich mal eine Kellertür im Innenraum geschlossen war, dann machten sich die lustigen Flugkünstler bemerkbar, indem sie entweder durch die Terrassentür oder das Küchenfenster hereinflogen und lautstark Bescheid gaben.

 

Aber auch das Anbringen von künstlichen Vogelnestern kann für die Schwalben sehr wichtig sein, wenn keine Lehmpfützen erreichbar sind.  Für Mehlschwalben gibt es geschlossene Nisthöhlen,  die mit einer kleinen Schlupföffnung versehen sind. Rauchschwalben bevorzugen offene Halbschalen. Mauersegler sind sogenannte Höhlenbrüter und haben ganz eigene Ansprüche an ihren Nistplatz. Mehlschwalben und Mauersegler brüten am liebsten in Kollonien. Eine Verschmutzung der Fassade ist für viele Hausbesitzer nicht tolerierbar. Dem kann jedoch mit einem einfachen Kotbrett abgeholfen werden, das unterhalb des Nestes angebracht wird. Fertige Nester lassen sich über das Internet oder aber auch direkt über die NABU beziehen.

 

 

       

 

 

       Auszeichnung schwalbenfreundlicher Häuser

 

       Seit vielen Jahren zeichnet der NABU in verschiedenen Bundesländern       

       schwalbenfreundliche Häuser mit einer Plakette „Hier sind Schwalben

       willkommen“ und einer Urkunde aus. Dabei geht es um eine positive     

       Bestärkung von Hausbesitzern, die Schwalben ungestört an ihren Gebäuden         brüten lassen.

 

Zwar ist es verboten, die Nester oder selbst Nestansätze zu entfernen, dennoch findet das oft unbemerkt statt. Weder die Naturschutzbehörden noch die Naturschutzverbände können und wollen das flächendeckend kontrollieren und ahnden. Die Würdigung von Hausbesitzern, die eine positive Einstellung zu den Schwalben haben, ist daher das beste Mittel, um die Aufmerksamkeit auf diese gefährdeten Arten zu lenken. Schwalbenfreunde leisten mit der Duldung der Nester einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Oftmals können sie viele Geschichten über ihre gefiederten Untermieter erzählen und freuen sich, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen.

 

 

Fressfeinde der Schwalben

 

Elstern - Elstern sind Allesfresser. Sie sind klug und passen ihre Ernährungs- und Jagdgewohnheiten den Angeboten in ihrer Umgebung an. Immer wieder werden spezialisierte Elstern beobachtet, die es besonders auf Schwalbennester abgesehen haben und dort hohe Verluste verursachen, während die Elstern in anderen Gegenden auf diese Nahrungsquelle noch nicht aufmerksam geworden sind bzw. leichter zu erlangende Nahrungsquellen gefunden haben. 

 

Katzen - In offen zugänglichen Hofgebäuden und Stallungen sind besonders Rauchschwalben durch Katzen gefährdet.  Katzen können ins Gebälk klettern und die Nester herunterreißen. Oder sie warten auf die ersten Flugübungen und fangen unbeholfen am Boden sitzende Jungvögel. Katzen haben ebenso ihren Lebensraum auf Höfen, wie Schwalben. Von daher läßt sich diese Gefahr nicht ganz abstellen, aber sie kann minimiert werden. Man sollte darauf achten, dass Katzen keine Aufstiegsmöglichkeiten zu den Nestern haben, kann ihnen in der Zeit des Flüggewerdens der jungen Schwalben den Zugang zum Stall verwehren und die Schwalben während dieser Zeit nur durch ein weiter oben am Gebäude angebrachtes Schwalbenfenster aus- und einfliegen lassen.

Marder - Als Wildtiere und gute Kletterer sind Marder für Schwalben mindestens ebenso gefährlich, wie Katzen, aber vielleicht etwas weniger häufig anzutreffen. Auch hier gilt: Den Tieren keine Aufstiegsmöglichkeiten geben und den Zugang zum Nestraum möglichst verhindern.

 

 

Abschlagen der Nester

 

Es gibt Hausbesitzer, die im Herbst die Schwalbennester regelmäßig aus Hygienegrüden abschlagen. Die Schwalben kommen trotzdem meistens im Frühjahr wieder zurück und bauen erneut, was jedoch viel Kraft kostet. auchschwalben säubern im Frühjahr das Nest und reinigen es von alte Federn, Eierschalen und Schmutz. Die Nester dürfen nicht entfernt werden: Der Nestbau ist eine sehr aufwändige Angelegenheit und kann über drei Wochen dauern. Bei trockener Witterung fällt das Nest dann oftmals wieder ab und muss aufgegeben werden.  Ein Nest besteht aus 700 – 1.500 Lehmkügelchen, für die entsprechend oft hin- und hergeflogen werden muss. Und diese Arbeit muss nach dem ohnehin kräftezehrenden Rückflug aus Afrika sofort erledigt werden. Da wundert es nicht, dass die Schwalben bevorzugt die alten Nester reparieren, um schneller mit der Brut beginnen zu können.

 

Quelle ... NABU Leitfaden für Schwalbenschutz