Der Pferde-Zirkel
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Und bist Du nicht willig ... so brauche ich Geduld      /     Warum eigentlich das ewige Verladeproblem?


 

Mit dem Verladen und Transportieren von Pferden gibt es nicht selten Probleme. Aus verschiedenen Gründen sind die Pferde oftmals mit den Auswirkungen und Anforderungen des Anhängerfahrens überfordert. Selbst „alte Hasen“ stehen beim Transport unter großem Stress, was die Pferdebesitzer nicht ungeachtet lassen sollen.

 

Allein in Deutschland werden laut Statistik im Jahr mehr als eine halbe Million Pferdetransporte durchgeführt. - Eine fundierte Vorbereitung des Pferdes für den Transport ist unerlässlich, aber

auch die Ausstattung des Transporters sowie die Fahrweise und Länge der Fahrt sind wichtige Faktoren, um den Transportstress einzuschränken.

Clarissa Schreiber, Pferdetrainerin aus Dachtmissen verdeutlich in diesem Beitrag die Verlade-

und Transportsituation aus Sicht des Pferdes. Nur das Wahrnehmen und Verständnis für die Problematik  können die Vertrauensbildung und Stressbewältigung bei Pferden mit Transport-

und Verladeproblemen unterstützen:

Sie haben kein Verständnis für den Verlade- und Transportstress Ihres Pferdes? - Dann stelle ich

Ihnen nur eine kurze Frage: Haben Sie schon jemals in einem fahrenden Pferdeanhänger gestanden? Ich weiß, das ist auf öffentlichen Straßen verboten – aus gutem Grund. Aber haben Sie es

wenigstens einmal auf einem Privatgelände versucht? Nur einmal eine Runde um die Reithalle?

- Wer dies ausprobiert hat, wird verstehen, warum sich ein Pferd nicht selten mit allen Hufen

gegen das Einsteigen wehrt.

„Mein Pferd hat keine Angst vor dem Anhänger, es ist nur stur“, höre ich immer wieder im Erstgespräch. Ich frage dann gerne zurück:  „Wenn der Anhänger der schönste Ort auf der

Welt für Ihr Pferd wäre, würde es dann nicht sofort einsteigen?“  -  Hängerfahrten sind Stress pur.  

Bei unwilligen Pferden spielen die nachfolgend genannten  Stressfaktoren eine ebenso große Rolle, wie bei Pferden, denen man die Panik vor dem bevorstehenen Transport auf den ersten Blick annicht sieht. Somit muss man darauf achten, den Stresspegel möglichst gering zu halten und das Pferd beispielsweise mit kurzen Fahrtstrecken langsam an das Transportieren zu gewöhnen. Geduld, Ruhe, Zeit und Konsequenz stehen an erster Stelle, da die Stressfaktoren nicht beseitigt werden können. Darum dauert es länger, bis das Pferd Vertrauen fassen kann. Viele Besitzer nehmen die Transportbelastung für ihrer Pferde  gar nicht beim Verladen war, sondern erst beim Verlassen des Anhängers. Die Pferde  sind schweissgebadet oder haben den Anhänger komplett vollgeäppelt.

Täglich gehen Meldungen, wie die folgende durch die Presse:  ...  „In seinem Anhänger war das Tier offenbar in Panik geraten, trat wild um sich. Der Besitzer stoppte den Wagen an einer Tankstelle, doch gelang es ihm nicht, das Pferd zu beruhigen.“ - Pferdetransport ist und bleibt immer mit einem gewissen Restrisiko behaftet, jedoch sollte eine vernünftige Verlade- und Fahrkultur dieses Risiko so weit wie möglich eingrenzen. Für die Verlade- und Transportschulung genügt es nicht, das Pferd auf den Anhänger zu führen und dort zu füttern. Vielmehr muss es Vertrauen in die Situation fassen, auf einem sich fortbewegenden Anhänger zu stehen. Kurze Fahrstrecken sind die beste Gelegenheit, ein Pferd an das Fahren zu gewöhnen, bis man eine längere Strecke plant. - Für all diejenigen Pferdebesitzer, denen es an einer Mitfahr-Erfahrung fehlt, hier eine möglichst realitätsnahe Beschreibung eines solchen Erlebnisses:

 

 

 

Lärm

Es ist ohrenbetäubend laut in einem Anhänger. Neben den ohnehin schon unheimlich lauten Fahrgeräuschen klappert und scheppert es überall. Und auch dann, wenn es einer hochwertiger Hänger in Vollalu mit Extra-Polsterung vorne, hinten und an den Seiten ist. Es klödern die einzelnen Stangen, die Mitteltrennwand, die Klappe und die vordere Ausstiegstür. Also überall dort, wo Metall auf Metall trifft, wird es laut. Ein Hänger in Bewegung rumpelt vom Fahrwerk bis unters Dach.

Doch nicht nur der Anhänger aufgrund seiner Konstruktion ist in Bewegung äußerst geräuschintensiv. Hinzu kommt das laute Rauschen des Fahrtwindes und bei nassen Straßen zischt die Gischt hinter und unter dem Hänger. Ebenso ist der hohe Geräuschpegel durch andere Verkehrsteilnehmer. nicht zu unterschätzen. Oder nehmen wir nur einmal die Fahrt durch einen Tunnel: Das Pferd kann auf die Tunneleinfahrt nicht vorbereitet werden. Schlagartig ändern sich Licht- und Geräuschverhältnisse drastisch. Es wird viel lauter, dunkel und an den Fenstern zischen plötzlich blitzartige Lichtreflexe vorbei. Ganz schön beängstigend.

Bewegung

Ein Pferdeanhänger reagiert auf jede kleine Unebenheit auf der Fahrbahn. Auf das Fahren durch

Schlaglöcher möchte ich hier gar nicht groß eingehen, es scheppert bereits, wenn Sie mit Ihrem

Anhänger über einen ganz gewöhnlichen Gullideckel fahren. Beim achtsamen Fahren mit Pferd

bekommt man übrigens ein sehr viel genaueres Bild der Zustände unserer Straßen.

Während wir vorne in unseren luftgefederten SUVs fürstlich über die Lande rollen, hat unser vierbeiniger Mitfahrer das Gefühl, der Anhänger zerfiele gleich in alle Einzelteile. Ein ständiges Aus- und Einfedern

des Hängers versetzt das Pferd in permanente Schwingungen. Auch wenn die Fahrwerke heute schon

besser gefedert sind, als in den 80er Jahren – von echtem Fahrkomfort ist leider nach wie vor wenig zu spüren.  - Ich bin einmal mit einer Kundin nur eine Runde um das Stallgebäude gefahren. Sie bat mich

um das Erlebnis, um Ihr Pony besser verstehen zu können. Danach öffnete ich die Ausstiegstüre und 

sah in ein bleiches Gesicht.  „Meine Güte, ist das furchtbar hier hinten drin. Da wird einem ja übel.“

 

 

 

Gleichgewicht

Alles scheint sich zu drehen. Eine Fahrt in einem Pferdeanhänger stellt Höchstanforderungen an den Orientierungs-
und Gleichgewichtssinn des Pferdes. Der Boden vibriert, es wackelt und verschiebt sich,

durch die kleinen Fenster ist nicht zu sehen, wohin gefahren wird. Ich vergleiche es immer mit einem Gefühl von Erdbeben, als würde einem der Boden unter den Füßen entwischen.  -

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Besonders bei Kurvenfahrten braucht das Pferd Zeit, um sich auf die jeweilige Richtungsänderung einstellen zu können. Hier wirken im Hänger auf den Pferdekörper beachtliche Fliehkräfte, wenn Kurven nicht langsam gefahren werden. Während wir lange im Voraus wissen, wann wir in welche Richtung abbiegen, wird das Pferd darauf nicht vorbereitet, es wird unmittelbar mit Richtungs- und Tempowechseln konfrontiert. Immer wieder betone ich, wie immens wichtig es ist, Kurven LANGSAM zu fahren, damit sich das Pferd auf die Richtungsänderung mit all seinen Sinnen einstellen kann. Das ist für das Tier jedes Mal ein kleiner Balanceakt, der gelernt sein will.

 


 

Haben Sie einmal eine Kurve zu schnell genommen und das Pferd hat dabei fast seinen Halt verloren, wird es noch lange Zeit danach in den Kurven Probleme zeigen. Der letzte Funken Vertrauen in die Stabilität der wackeligen Dose ist dann meist dahin. Die Pferde bekommen Panik und werfen sich gegen Mittel- oder Aussenwand in ihrer verzweifelten Angst, den Boden unter den Hufen zu verlieren. Daher gilt zwingend: Langsames Beschleunigen mit dem Gespann erst NACH der Kurvendurchfahrt, wenn also der Anhänger wieder gerade in der Spur des Pkw läuft. Niemals dürfen wir vergessen, dass sich unsere Pferde nirgends festhalten können. Es ist so, als würden Sie mit dem Bus fahren und keinen Sitzplatz mehr bekommen. Die Halteösen sind auch schon alle belegt. Der Busfahrer fährt ohne Rücksicht. Na dann gute Fahrt.


Enge

Pferde sind Beute- und Steppentiere. Sie lieben es, viel Raum um sich zu haben und weit gucken zu können. Ihre größte Überlebenschance bei Gefahr besteht in der Flucht.

 

Dieser Urinstinkt „Flucht“, welcher die Spezies Pferd seit rund 60 Mio Jahren bestehen lässt, ist in keiner Weise kompatibel mit einem  Aufenthalt in einer Höhle mit versperrtem Ausgang, wie es der Pferdeanhänger nun einmal ist.  - Ihr Pferd muss während der Fahrt unzählige beängstigende Eindrücke ertragen, ohne fliehen zu können. Nur ein Beispiel sind die immer wieder sehr rücksichtslosen Lkw-Fahrer, die viel zu dicht hinten auffahren und das Pferd stark verängstigen. Oder denken Sie an die zahllosen Motorrad-Fahrer, die mit ohrenbetäubendem Lärm und Vollgas in 50cm Abstand an Ihrem Pferd vorbei rasen.   Auf den Menschen bezogen ähnelt das einer Fesselung unter Androhung von Gewalt.

 

Lichtverhältnisse

Fahren Sie ein Pferd bei Tag, sind die Lichtverhältnisse bis auf die oben bereits geschilderte Fahrt durch einen Tunnel, zu vernachlässigen. Eine Fahrt bei Dunkelheit stellt wiederum ganz andere Anforderungen an Ihr Pferd. Von vorne und hinten kommen unterschiedlichste Lichteinwirkungen durch andere Verkehrsteilnehmer, Straßenbeleuchtungen, Leuchtreklamen etc. in rasantem Tempo ins Blickfeld des Pferdes und müssen auf ihre Gefährlichkeit hin eingeschätzt werden. Bei der Fülle von Eindrücken kommt es da schnell zu einer totalen Reizüberflutung. Die einzelnen Gefahrenquellen können aufgrund ihrer Masse und Kurzfristigkeit gar nicht zu Ende analysiert werden. Das Pferd steht unter geistigem Dauerbeschuss. Gleiches gilt natürlich für die oben bereits beschriebene Lärmthematik.

 

 

 

Hitze

Im Sommer herrschen besonders in dunklen Vollpoly-Anhängern tropische Temperaturen. Die kleinen Fenster

in der Front sorgen nicht unbedingt für ein angenehmes Raumklima. Bei empfindlichen Pferden kann der einströmende Luftzug zudem schnell für Augenentzündungen verantwortlich sein. - Aber auch bei solchen Modellen mit hellen Dächern gehen die Temperaturen schnell in unerträgliche Höhen. Während der Fahrt mag dies noch durch die von hinten einströmende Luft kompensiert werden. Stehen Sie jedoch z.B. auf der

Autobahn längere Zeit im Stau, wird es für jedes Pferd schnell zu heiß. Besonders kritisch ist die Situation in Anhängern mit Plane ohne aufstellbare Fenster. Das stellt Höchstanforderungen an den Kreislauf eines jeden Pferdes bei ohnehin schon sehr angespannter psychischer Lage.


Zusammengefasst:

Wir haben es also im schlechtesten Fall mit sechs, für die meisten Pferde belastenden Eigenschaften einer

Hängerfahrt zu tun. Ich ziehe jedes Mal wieder den Hut vor jedem einzelnen Pferd, dass sich nach erfolgreichem Verladetraining brav in den Hänger begibt. - Meine Trainingsmethodik besteht dabei immer aus drei Bausteinen:

Verladen des Pferdes ohne zu fahren (dieser Prozess wiederum unterteilt sich in verschiedene Bausteine).

- Verladen des Pferdes mit kurzer Fahrt und Ankunft zu Hause. - Verladen des Pferdes mit etwas längerer

Fahrt und Ankunft an einem anderen Ort mit dortigem Ab- und wieder Aufladen.

Weitere Informationen
Clarissa Schreiber - Fon 0178 / 7493 005   ... Top-Horsemenship