Der Pferde-Zirkel
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Working Equitation ... auf den Spuren der Rinderhirten

 

 

Ursprungsländer in Europa sind u.a. Italien, Portugal, Spanien und Frankreich. Länder, in denen Rinderherden über weitläufige Gebiete verteilt gehütet wurden.  Die Philosophie der Working Equitation begründet sich in landestypischer Tradition und unterscheidet sich in Stil, Reitweise und bevorzugten Pferderassen jeweils durch charakteristische

Eigenheiten der verschiedenen Regionen.
 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während in einigen Gebieten hauptsächlich für den Kampf gezüchtete Stiere kontrolliert wurden, so bestand die Hauptaufgabe z.B. in Italien oder auch in den Vereinigten Staaten darin, Weiderinder zu hüten und zu treiben. Entsprechend waren die Anforderungen an die Pferde aber auch an die Hirten unterschiedlich. Sie mussten entweder wendig und sehr agil sein, um in sekundenschnelle einem Angriff ausweichen zu können - oder genügsam sein und eine sehr gute Kondition für extrem lange Distanzen aufbringen können.

Eines jedoch verbindet alle Hirten mit ihren Pferden. Sie sind ein Team, das  von unbeirrbarem Vertrauen und Respekt geprägt ist.
 


Von der Tradition zum Wettkampf


Der Stolz und die Leidenschaft zu ihren Pferden und Rindern ist den meisten südländischen Hirten wie auch Züchtern in die Wiege gelegt.  Entsprechend wurden bereits in der Vorzeit zu Feierlichkeiten Wettbewerbe ausgetragen, bei denen es galt, Mut, Schnelligkeit und Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. Diese Tradition hat sich bis in die heutige Zeit gehalten.

Seit Mitte der Neunziger Jahre gibt es bereits internationale Turniere zwischen den europäischen Ursprungsländern, die im turnusmäßigen Rhythmus abgehalten werden. Nach und nach brachten vorwiegend die Portugieser diese Disziplin auch in Länder, in denen es keine traditionelle Hütearbeit mit Pferden gab. Seit 2008 bildet sich nun auch in Deutschland eine Turnierszene um die Working Equitation.

Da die Arbeit der Hirten in allen Ländern rückläufig ist, wird mit dem Erhalt und der Verbreitung dieser Wettbewerbe wertvolles Wissen sowie  Werte um das Pferd und seine Ausbildung bewahrt und lebendig gehalten. Klassischer Stil und gedeckte Eleganz bei der Reitbekleidung und Ausrüstung der Pferde sind häufig eine wahre Augenweide bei den Wettkämpfen. Es gibt zwar keine Kleidervorschrift, dennoch wird bei Wettkämpfen Wert auf ein traditionelles Erscheinungsbild gelegt.  

Während in der reinen Arbeitsreitweise Pferd und Hirte mehrere Stunden am Tag miteinander verbrachten und so über die Zeit an ihren gemeinsamen Aufgaben wachsen konnten, so ist die Ausgangssituation der Sport-reiterei viel weniger intensiv und bedarf einiger Besonderheiten, damit sie in ihrer Lebendigkeit erhalten bleibt. Denn auch im Wettkampf soll der Hauptbestandteil sich an die traditionelle Rinderarbeit mit all ihren Unwegsamkeiten anlehnen:  z.B. Tore und Gatter öffnen, durchreiten und schließen, ohne dass ein Rind entwischt,  einzelne Tiere aus der Herde heraustrennen und in einen Pferch treiben, u.v.m..

Die Vielfältigkeit der Working Equitation verteilt sich auf vier Teildisziplinen:  Dressur - Stiltrail - Speedtrail und Rinderarbeit. Diese wiederum sind für den Wettkampf in einem Reglement klassifiziert: Einsteiger, Anfänger, Fortgeschrittene und Master. - Entsprechend den Anforderungen, wird mit verschiedenen Zäumungen und mit unterschiedlichem Equipment geritten. Von der Einsteiger bis zur Fortgeschrittenen Klasse wird z.B. beidhändig geritten, während in der Masterklasse ausschließlich einhändig geritten wird.  

Das offizielle Regelwerk für die nationale Arbeitsreitweise finden Sie unter www.working-equitation-deutschland.de

 

 

 

Dressur ...

Dressurreiten im herkömmlichen Sinne, hat sich im Laufe der Zeit häufig zu einem reinen Selbstzweck entwickelt. Dressur ist und war jedoch noch nie dazu gedacht, dem Pferd Lektionen abzuverlangen. Sie dient vor allem der Gymnastizierung des Pferdes. Als Basis gelten in erster Linie die Seitengänge.

 

Sie verbessern die Qualität und Konzentration der Bewegung und verhelfen Pferd und Reiter zu einem besseren Körperempfinden sowie zu einer besseren Koordination.  

Ziel der Dressur in der Working Equitation ist es, die Durchlässigkeit und eine leichte Anlehnung des Pferdes zu erhalten.  Jedoch ist diese Anlehnung unabhängig von Hand und Zügelführung - sie richtet sich alleinig auf Gesäß, Rücken und Beine. Der Reiter fordert nicht mit unablässiger Hilfengebung sondern durch Impulse, auf die das Pferd „anspringt“.  Der Vorteil des Impulsreitens liegt eindeutig darin, dass Pferde nicht „in den Hilfen hängenbleiben“, sie bleiben wach und aktiv. 

 

Würde ein Rinderhirte in einer starren Anlehnung mit permanenter Hilfengebung reiten, so könnte das Pferd weder leicht noch schnell die Schulter heben um in eine Wendung zu gehen. Das Reaktionsvermögen wäre träge und in mancher Situation gar gefährlich.

 

 

Trailparcour ...

Im Trailparcours werden von Pferd & Reiter konkrete Aufgaben/Hindernisse absolviert. Dazu gehören unter anderem das Öffnen und Schließen eines Tores, Rückwärtsrichten zwischen Stangen, Slalom, Überqueren einer Brücke, Seitwärts über eine Stange.

Während im Stiltrail in vorgeschriebener Gangart nach den Grundlagen der Dressur gerichtet wird, zählt beim Speedtrail das Tempo, in dem die Hindernisse fehlerfrei durchritten werden. Dabei gilt es, eine exakte und konzentrierte Linienführung bei angepasstem und punktgenauem Rhythmus zu erzielen.  

Trailhindernisse sind u.a. der „Slalom“, in verschiedenen Varianten, Abständen und Schwierigkeitsgraden.  Weiterhin gilt es „Tonnen“ in Volten zu umrunden. Je nach Anforderung wird in verschiedenen Abständen und Gangarten sowie Linienführungen geritten (Seitengänge, Galoppwechsel, etc.).  - Im  „Pferch“ wird Vertrauen und Gehorsam innerhalb enger Begrenzungen abgefragt. Auch hier bestimmen Gangart und Tempo den Schwierigkeitsgrad. - Das  Öffnen und Schließen des „Tores“ fragt punktgenaue Geschicklichkeit und Konzentration ab.

Im Fokus aller Hindernisses liegt es, die Durchlässigkeit und das Zusammenspiel von Pferd und Reiter bei steigenden Anforderungen abzufragen.  Verbissenes Training wirkt hier eher kontraproduktiv - Spaß und Freude sind vordergründig.

 

 

Während im Stiltrail die Gangart entsprechend der Klasse vorgeschrieben ist, geht es im Speedtrail um Tempo. Der Speedtrail erfordert jedoch nicht nur Schnelligkeit sondern vielmehr absolute Nervenstärke und den Willen sowie absolutes Vertrauen für den Reiter. Der Reiter muss im Gegenzug sein Pferd genau einschätzen können, um sein Vertrauen und seine Motivation nicht zu überfordern.
 

 

 

 

Königsdisziplin Rinderarbeit


Rinderarbeit ist Teamarbeit. Es gilt schnellstmöglich aus einer Herde Rinder ein Tier abzusondern und es in einen Pferch oder über eine Grundlinie zu treiben.

Während einer Prüfung startet ein Team aus drei bis vier Reitern, wobei nur ein Reiter als Hauptakteur in die Wertung geht. Er soll ein ihm zugeteiltes Rind  aus der Herde heraustrennen und über eine Grundlinie treiben. Das alles geschieht nicht kopflos in wilder Manier sondern gezielt, geordnet, mit Ruhe und Entschlossenheit. Intuition, Konzentration und sekundenschnelle Reaktion stehen hier im Mittelpunkt der Prüfung. Die Aufgabe der anderen Teammitglieder ist es, die Herde hinter der Grundlinie zu halten.


Die Working Equitation weckt Pferd und Reiter. Sie fordert beide im positiven Sinne zu einer aktiven Haltung. Schnelle Wechsel zwischen Verstärkung und Versammlung schulen das Reaktionsvermögen von Pferd und Reiter und damit die gesamte Durchlässigkeit des Pferdes.  - Eine gemeinsame Balance, die sich zu einer reellen Leichtigkeit entwickeln kann.

Vertrauen - Gehorsam  - Durchlässigkeit - Wendigkeit & Eleganz - Spritzigkeit, Flexibilität & Versammlungsbereitschaft - diese Schlagwörter bezeichnen die Eigenschaften eines ausgebildeten Working Equitation Pferdes. Bis dahin gilt: mit Freude und Spaß den Horizont für Pferd & Reiter zu erweitern.
 


Wer nun denkt, für die Working Equitation kommen nur bestimmte prädistinierte Pferderassen in Frage, dem sei gesagt: Nein, jede Pferderasse ist geeignet - egal ob trainiertes Sportpferd oder freizeitgerittenes Pony.  Für alle Reiter und ihre Pferde, die Freude daran entwickeln, einen Trailparcour zu absolvieren und ihre Geschicklichkeit zu verbessern, bietet die Working Equitation den Einstieg in eine Faszination, die sie so schnell nicht mehr los lassen wird.

 

 

Buchbesprechung Working Equitation Trail-Training und Basics ... > klick hier <



Fotos: Sven Cramer www.pferdefotos.biz    /    Manuela Schmidt   /   Illustration: Christine Gräper